Source: www.rockszene.de
Progressive-und Symphonic-Rockbands gibt es viele und gerade auch in diesem Genre wird eifrig veröffentlicht, was das Zeug hält. Da bleibt es nicht aus, dass sich - bis auf wenige Ausnahmen - so manche Band mit ihrem Album kaum aus der großen Masse herausheben kann. Als die aus dem bayerischen Freising stammende Band RPWL im Jahr 2002 ihren Longplayer „Trying To Kiss The Sun“ auf den Markt brachte, hatte man nicht unbedingt den Eindruck, als würde ein neuer Stern am Prog-Rock-Himmel aufgehen.Die Band präsentierte sich seinerzeit zwar professionell und lieferte einen okayen Tonträger ab, ob RPWL aber nun wirklich ein absolutes Muss in der Szene bzw. eine wirkliche Bereicherung darstellen würde, durfte auch mit ihrem Output „Stock“ aus dem Jahre 2003 durchaus noch in Zweifel gezogen werden. Solide Kost war das, aber für den anspruchsvollen und verwöhnten Prog-Rock-Hörer auch nicht mehr.Mit ihrem aktuellen Album „World Through My Eyes“ landen RPWL indes einen absoluten Volltreffer, der überrascht. Mit dieser Platte scheint der Band so etwas wie ein Aufstieg in die erste Liga des Genres gelungen zu sein und das am internationalen Markt gemessen.Kompositorisch wirkt die Scheibe sehr ausgereift und „auf den Punkt“. Statt ausschweifendem komplexen Gefrickels für die Musikerpolizei –wie es bei so manch artverwandter Band der Fall ist – warten RPWL mit kompaktem, melodiösem Songwriting auf, ohne dabei in die 3-Minuten Singles-Kategorie zu fallen.Es ist immer noch Prog, was die Band bietet – zuweilen psychedlische Synthesizer-Soli sind zu hören und auch fernöstliche Percussion kommen in den mitunter opulenten Arrangement im zuweilen voluminösen Soundgewand zum Einsatz – allerdings verlieren RPWL niemals den roten Faden „Song“. Die Band klingt inspiriert, frisch und setzt auf diesem wohl klingenden Album viele Farbtupfer.Auf Track 4 „Roses“ übernimmt im Übrigen niemand Geringeres als Ray Wilson (u.a. früherer Sänger bei Genesis) die Lead-Vocals, was gerade diesem Song sehr viel Glanz verleiht. Aber nicht nur deshalb erinnert „World Through My Eyes“ in Ansätzen an das 97er -Genesis Album „Calling All Stations“ oder an späte Platten von Pink Floyd. Irgendwo dazwischen haben RPWL ihren Platz gefunden.Ein wirklich empfehlenswertes, schönes, wie spannendes Album.
Andreas Haug